1986

Der Fachverband

Vom 13. bis 15. Mai 1986 fand in Berlin die **ShowTech** zum zweiten Mal statt. Das Kongressprogramm war umfangreich in verschiedene thematische Bereiche aufgeteilt. Obwohl nicht offiziell als ideeller Träger benannt, unterstützte die DTHG die Messe tatkräftig, vor allem bei der Gestaltung des Kongressprogramms.
Nur einen Monat später fand in Friedrichshafen die 44. Bühnentechnische Tagung unter dem Thema Computer zur Produktionsunterstützung statt.
 Die 44. BTT in Friedrichshafen erwies sich trotz der zeitlichen Nähe zur ShowTech als Erfolg. Mit 500 Besuchern aus 13 Ländern und 45 ausstellenden Firmen galt sie als eine der bislang erfolgreichsten.
Auf der Mitgliederversammlung, deren harmonischer Ablauf im Protokoll extra betont wird (!), konnte ein Zuwachs an Mitgliedern festgestellt werden:
- Anfang 1985: 231 Mitglieder, davon 59 Firmen, 
- Ende 1986: 292 Mitglieder, davon 65 Firmen.
In einer Vorstandssitzung während der BTT in Friedrichshafen werden zum ersten Mal Beschlüsse hinsichtlich der weiteren Zusammenarbeit mit der ShowTech gefasst. Im Protokoll heißt es dazu:

Nach kurzer Diskussion unter Beteiligung des Firmenbeirates wurde beschlossen, die Bühnentechnische Tagung ’88 ausfallen zu lassen und die DTHG Jahreshauptversammlung mit der ShowTech zusammenzulegen. Eine Verbindung zwischen Bühnentechnischer Tagung und ShowTech ist nicht geplant. Die DTHG will sich an der nächsten ShowTech als ideeller Träger beteiligen. Die Teilnahmegebühren für den Besuch der ShowTech-Ausstellung und des Kongresses müssen für DTHG-Mitglieder ähnlich denen bei Bühnentechnischen Tagungen sein. Weiter muß die Jahreshauptversammlung terminlich so gelegt werden können, dass ein Besuch der ShowTech und des Kongresses möglich ist.

Dem Thema Aus- und Weiterbildung widmete wie beinahe jedes Jahr der Verband seine besondere Aufmerksamkeit. 1986 ging es insbesondere darum, den Beruf des Bühnen- oder Theatermalers als anerkannten Beruf mit einer entsprechenden Ausbildung durchzusetzen (was freilich in der DDR längst erfolgt war und mit dem Studium an der Dresdner Hochschule der bildenden Künste wegweisenden Charakter erhielt). Bereits 1971 war durch die DTHG beim Bundesinstitut für berufliche Bildung (BiBB) ein entsprechender Antrag eingereicht worden, der jedoch mit der Begründung einer zu geringen Zahl an Berufsanwärtern abgelehnt worden war (!). Immerhin wurde ab 1974 an der Deutschen Oper Berlin eine paritätische Prüfstelle aufgebaut.
Reinhard Lau schreibt dazu:

Bestanden bis dato schon Schwierigkeiten, einen begleitenden Berufsschulunterricht zu erreichen oder nur eine verbilligte Fahrkarte zu bekommen, sie sie anerkannten Lehrlingen zusteht, beginnen sich weitere Nachteile abzuzeichnen:
Die Arbeitslosenunterstützung bei ehemaligen Volontären eines nicht offiziell anerkannten Berufes ist merklich geringer als nach „normaler“ Gesellen- oder Facharbeiterprüfung, eine mögliche Umschulung setzt einen vorhandenen Beruf voraus, eine etwaige Berufsunfähigkeit ist mangels „Berufes“ ebenfalls nicht denkbar,die Chancen einer Arbeitsvermittlung sind verringert.

Die DTHG unterstützte dabei verschiedene Wege, um endlich einen anerkannten Beruf mit einer staatlich anerkannten Ausbildung auf den Weg zu bringen, jedoch vorerst immer noch ohne durchschlagenden Erfolg. Es sollten noch rund 20 Jahre ins Land gehen, bis diese traditionsreiche und hochqualifizierte Arbeit mit einem staatlich anerkannten Berufsbild in der Bundesrepublik geadelt werden würde.
Wenn schon scheinbar unüberwindbare Schwierigkeiten beim Beruf des Bühnenmalers bestanden, wieviel schwieriger war dann eine Aus- oder Weiterbildung in anderen Nischen-Berufen?
Im Niedersächsischen Staatstheater Hannover wurde bereits der zweite Einführungskursus für das Rüstmacherhandwerk erfolgreich abgeschlossen. Der Kursus dauerte jeweils 20 Arbeitstage und war in 2 x 2 Wochen unterteilt. Er bestand aus theoretischen und praktischen Unterweisungen mit abschließenden praktischen Arbeiten in der Rüstwerkstatt der Niedersächsischen Staatstheater, unter der Leitung von Rüstmeister Horst Westerholt.
Interessant dazu ist auch ein Artikel in Heft 4 d. J. unter dem Titel Problematik der Berufsausbildung ohne staatliche Anerkennung.
Die 1984 nach dem AUS der Recklinghausener Akademie eingerichteten Lehrgänge an der Fachhochschule Hamburg für Beleuchtungsmeister wurden einer ersten kritischen Prüfung unterzogen. Auf einem größeren Expertenkolloquium an der Fachhochschule Hamburg im Februar 1984 (s. BTR 2/1984) wurde die Notwendigkeit betont, die Bildungsmöglichkeiten für die Berufsgruppe der Bühnen- und der Beleuchtungstechnik auszubauen. Das Institut für Kontaktstudien, die Weiterbildungseinrichtung der Fachhochschule, nahm sich daraufhin dieser Aufgabe verstärkt an, nachdem in den Jahren 1983/84 bereits erstmals ein Weiterbildungsprogramm für Beleuchtungstechnik mit Hamburger Teilnehmern erfolgreich durchgeführt worden war.
Dabei sollten die Lehrgänger optimiert und auch für die Bereiche Bühnentechnik erweitert werden.

Es hat sich gezeigt, daß an einem Bildungsangebot, das den potentiellen Führungskräften in diesem Berufsfeld eine Weiterqualifizierung ermöglicht, ein erheblicher Bedarf besteht. Das Institut hat daher die Kontaktstudiengänge Bühnentechnik und Beleuchtungstechnik, die sich in ihrer Konzeption als erfolgreich erwiesen haben, als festen Bestandteil in sein Weiterbildungsprogramm aufgenommen. Es wünscht sich auch für die Zukunft eine gute Zusammenarbeit mit allen Kooperationspartnern.

Erste Erfolge konnte dagegen Rudi Kück vermelden, der sich in Berlin um die Einführung eines Studienganges Theater-, Studio- und Veranstaltungstechnik besonders bemühte.
So schreibt der Senator für Wissenschaft und Forschung am 20.07.86 an den Rektor der Technischen Fachhochschule Berlin:

Nach Prüfung der mir eingereichten Unterlagen kann ich Ihnen mitteilen, daß ich der Einrichtung des neuen Studiengangs Theater-, Studio- und Veranstaltungstechnik“ zustimme.

Damit war der amtliche Startschuss gegeben, die Studienpläne auszuarbeiten und den Beginn für das Wintersemester 1987/88 anzustreben. Im Protokoll der Vorstandssitzung vom September 1986 heißt es allerdings dazu:

Die DTHG ist bisher nicht an dem Vorgang beteiligt.

Erfolge gab es auch bei der Ausbildung von Requisiteuren:
Die ersten paritätischen Prüfungen für Requisiteure fanden vom 30.9. bis 2.10.86 an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und beim WDR in Köln statt. Nach zweimal sechs Wochen intensiven Vollzeitunterrichtes in Offenbach wurden die ersten Prüfungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Requisitenabteilungen der Theater und Fernsehanstalten durchgeführt

Nochmals ein Blick in die DDR: 1985/86 startete an der Dresdner Hochschule der Bildenden Künste ein neuer Studiengang für Kostümgestalter als konsequente Fortsetzung der Weiterbildung für Gewandmeister.

Der Vorstand des Berufsverbandes war darüber hinaus mit der Vorbereitung der BTT und der Pflege und Gewinnung von Mitgliedern beschäftigt. So wurde beschlossen, dass Mitglieder, die das 25-jährige Jubiläum ihrer Mitgliedschaft erlangt haben, eine Urkunde erhalten sollten.
In diesem Jahr zeigt sich an verschiedenen Initiativen, dass sich ein Mitglied des Vorstandes engagiert in verschiedene Initiativen einbrachte: Siegfried Stäblein. Neben Helmut Großer wurde er auch Mitglied des executive committees der OISTAT.
Nachdem Helmut Großer 1985 für vier Jahre erneut zum Präsidenten der OISTAT gewählt wurde, zeichneten sich erste Schwierigkeiten in der Finanzierung der Organisation ab. Die Niederlande, deren Hauptstadt Amsterdam 1987 europäische Kulturhauptstadt werden sollte, zeigten ein besonderes Engagement und lobten einen Architekturwettbewerb aus.
Das Thema der Förderung der künstlerisch-handwerklichen Berufe wurde durch Helmut Großer auch im internationalen Rahmen auf die Tagesordnung gesetzt:

Ein anderes wichtiges Thema, dessen Behandlung zunehmender Dringlichkeit bedarf, ist das der „aussterbenden“ oder sich zunehmend spezialisierenden Berufe mit nicht nur handwerklichen, sondern vor allem künstlerischen Fähigkeiten, z.B. der Requisiteure, Rüstmacher, aber auch Schuhmacher, Schneider und aller üblichen Theaterberufe, die aber im Gegensatz zur Industrie über besondere handwerklich-künstlerische Vielseitigkeit verfügen müssen.

In der BTR 2/86 klagt Helmut Großer erneut über eine mangelnde Resonanz und Mitwirkung der DTHG-Mitglieder an der Gestaltung der Zeitschrift:

In sinngemäßer Übertragung von Handkes Text (Publikumsbeschimpfung) sage ich Euch, „daß Ihr als Leser anonym und apathisch seid, Euch aufgebt als Individuum und ohne Selbstbewusstsein nur noch passiv aufnehmen wollt, was Euch hier vorgesetzt wird“. Das zu wissen, oder es immer wieder neu zu erkennen, ist zwar eine ständige Erfahrung, aber derlei sind wir in unseren Berufen ja gewöhnt und geben sie deshalb noch lange nicht auf. Warum also sollte ich mich bei dieser Arbeit nicht auch daran gewöhnen, ohne sie aufgeben zu wollen? …Denn: für wen mache ich denn diese Zeitschrift, wenn nicht für Euch?

In Heft 6 des Jahres wurde erstmal eine ganzseitige Anzeige mit Informationen über den Berufsverband und die Vorteile einer Mitgliedschaft veröffentlicht.

Cottbus 

Das Theater wurde nach Renovierung und Rekonstruktion Anfang Oktober wiedereröffnet.

Berlin

Nach fast einjähriger Schließung wurde die Staatsoper Unter den Linden wieder eröffnet.

Lissabon 

Ein Theaterbrand zerstörte große Teile des „Maria Vitoria“-Theaters.

Brüssel

Das Theâtre de la Monnaie wurde nach umfassender Renovierung wieder eröffnet.

Stuttgart 

Das „Theaterhaus“ wird nun aller Voraussicht nach doch auch Förderungsmittel des Landes Baden- Württemberg erhalten. Die seit gut einem Jahr bestehende Spielstätte für alternatives Theater benötigt bei einem Gesamtetat von 4,1 Millionen Mark einen Zuschuss von 2,4 Millionen. Bislang erhält das Theaterhaus von der Stadt Stuttgart einen Zuschuss von etwa 600 000.

Personalien

Helmut Großer feierte sein 40jähriges Bühnenjubiläum. In der Würdigung des ehem. DTHG-Geschäftsführers Himstedt-Alexander heißt es:

Allererster Beginn in Dresden, Wiederbeginn an einer Kleinkunstbühne 1953 in Nürnberg, dann die Stationen Hagen (1954), Wiesbaden (1963), Köln (1968) und München (1977). Es würde den Rahmen dieser kurzen Laudatio sprengen wollte man seine Arbeitsweise, Organisationsfähigkeit, Menschenführung und all die Dinge, die ein erfolgreiches Schaffen am Theater ausmachen, einzeln aufzählen. Auch die Rückschläge und Irrtümer formen den Charakter und gehören ebenso dazu wie die spektakulären Erfolge.

In Mannheim starb der längjährige Technische Direktor Werner Lorenz.

Hans Birr, Technischer Direktor in u.a. in Lübeck, Mannheim, der Deutschen oper Berlin und Münster starb im Alter von 77 Jahren.

Am 5. September 1986 verstarb Dr. Erich Schumacher im Alter von 78 Jahren in Essen, er war von 1958-1984 Generalintendant des Theaters.

Hellmut Weiß, von 1971-1982 Technischer Direktor des Staatstheaters Braunschweig verstarb am 8.Oktober.

Am 30. September 1986 verstarb plötzlich und völlig unerwartet Paul Jähnichen im Alter von 51 Jahren. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Ausbildung und Neuererbewegung im Institut für Kulturbauten der DDR. Über 15 Jahre prägte er beispielgebend Inhalt und Profil der Zeitschrift PODIUM und deren Vorgängerin „Theatertechnik“ als Chefredakteur.

BTR

Heft 01

  • Am Gasteig, Münchens neueröffnetes Kulturzentrum
  • Rüstmacher-Kursus
  • „Der Ring des Nibelungen“ in Berlin 1. Teil: „Das Rheingold“, „Die Walküre“
  • Die Stadthalle Karlsruhe
  • Die technische Realisation des „Ring“ in Berlin
  • 40jähriges Berufsjubiläum von Helmut Großer
  • Kongress bei der ShowTech ’86

Heft 02

  • „Der Ring des Nibelungen“, 2. Teil
  • Die Technik des „Ring“, 2. Teil
  • Neues Modul-Gerüstsystem
  • Motorseilzüge im Selbsteinbau
  • Der Lichtgestalter
  • Das „TIF“ des Staatstheaters Kassel
  • Dresdner Theatermaler um 1800
  • Ausbildung: Theatermaler und -plastiker
  • Tendenz ermutigend

Heft 03

  • Neues Dekorationsmagazin in München
  • Weiterbildung für Bühnen- und Beleuchtungstechnik
  • Messeneuheiten bei der „SIEL ’86“ in Paris
  • Steuerung bühnentechnischer Einrichtungen für Obermaschinerien
  • Licht kann malen und erzählen
  • Die Misere der reichen Theater
  • Erfahrungen mit der ersten elektronisch gesteuerten Obermaschinerie-Großanlage
  • Das Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen

Heft 04

  • Walter Macken /Rudi Strauch: Per aspera ad astra
  • Zur Ausbildung von Bühnenfeuerwerkern (DDR)
  • Die schöpferische Kraft der Phantasie in Maß und Maßlosigkeit
  • „Die Zauberflöte“ der Bregenzer Festspiele
  • ShowTech ’86
  • Sicherheitstechnische Regeln für Versenkeinrichtungen in Bühnen und Studios
  • Noch einmal: Bühnenbild
  • Probleme des Verhältnisses von Kunst und Technik im Theater
  • Problematik der Berufsausbildung ohne staatliche Anerkennung

Heft 05

  • Die Staatsoper Budapest
  • Alexander H. Ziller: Regelung und Steuerung von Maschinen der Bühnentechnik
  • Tadeusz Krzeszowiak: Historische Entwicklung der Bühnenbeleuchtung, Teil 2
  • Kulturzentrum am Ga- steig: Arbeitsschutz in Planung und Ausführung
  • Zum Gesundheits-, Arbeits- und Brandschutz in der DDR
  • Kampnagelfabrik – 2. Akt
  • Zur ÖkonomiedesTheaters

Heft 06

  • Max Keller: Die stärkste Naturgewalt ist das Licht
  • Technisches Lehrkabinett
  • Ausbildung von Theatertechnikern in Schweden
  • Tadeusz Krzeszowiak: Historische Entwicklung der Bühnenbeleuchtung Teil 2
  • „Geprüfter Requisiteur“
  • Antriebssysteme in der Bühnentechnik
  • Photokina 86

Sonderheft

  • Helmut Großer: Der Versuch einer Serie
  • Die neuen Werkstätten der Staatsoper Mün- chen
  • Die neuen Werkstätten der Staatstheater Dresden
  • Die Werkstätten der Deutschen Oper Berlin
  • Die Werkstätten der Bühnen der Stadt Köln
  • Deutsches Schauspielhaus Hamburg
  • Theater der Stadt Heilbronn
  • Theater der Stadt Koblenz
  • Das neue Ausstattungszentrum des ORF
  • Aus früheren Gutachten des Schriftleiters

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