1990

Der Fachverband
Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze 1989 sollte ziemlich schnell der Gedanke einer Wiedervereinigung beider deutscher Staaten Gestalt annehmen. Damit war auch für die Verbände wie die DTHG eine Zuständig- und Wirksamkeit für das gesamte Land in greifbare Nähe gerückt. Denn was überall „Wiedervereinigung“ genannt wurde, sollte bald mehr ein „Beitritt“ der ehem. DDR zur Bundesrepublik werden. Doch bevor sich die Theater der DDR damit befassen konnten, was an Vorschriften, Gesetzen, Tarifverträgen und dergleichen auf sie zukommen würde, waren sie vollauf damit beschäftigt, nicht im Sturm der Ereignisse unterzugehen. An praktisch allen Entscheidungsinstanzen waren die Verantwortlichen teilweise mehrfach ausgetauscht worden. Bisherige Zuständigkeiten, vor allem für die Finanzierung, gab es nicht mehr und neue, wie die Bundesländer, waren noch nicht in Sicht. Eine ganze Reihe von Intendanten und auch Technischen Direktoren musste die Theater wegen zu großer Parteinähe oder Stasitätigkeit in der Vergangenheit verlassen. Auf der Suche nach neuen Kandidaten waren schnell die ersten „Berater aus dem Westen“ zur Stelle, es sollte nicht immer die beste Wahl werden. Zudem hatte in den letzten Monaten vor und dann erst recht nach dem Fall der „Mauer“ eine ganze Reihe von Fachkräften die Ost-Theater in Richtung Westen verlassen. Neben diesen Verunsicherungen bestand die größte Aufgabe jedoch darin, dass die Theater in der DDR, die in vergangenen Monaten und Jahren eine zunehmend wichtige Rolle bei der Veränderung und Abschaffung des Landes gespielt hatten, ihre zukünftige Ausrichtung zu überdenken und neu zu finden hatten.

Für die Theatertechniker war jedoch die gegenseitige Kenntnis- und Anteilnahme in seit Jahrzehnten nicht da gewesener Form möglich. Heft 1 der BTR beweist dies mit einem sehr umfangreichen Bericht über die Sanierung des Theaters Cottbus.

Auch der Brand im Magdeburger Theater, das erst wenige Jahre zuvor saniert worden war – das Feuer breitete sich auf dem Schürboden aus und erfasste das Bühnenhaus – beschäftigte Theatertechniker in Ost und West. Ausgelöst wurde der Brand wahrscheinlich durch einen elektrischen Defekt.

An der traditionsreichen Tagung der DDR-Techniker und Ausstatter, welche in Kühlungsborn im Januar 1990 stattfand, nahmen Helmut Großer und Rudi Kück zum ersten Mal teil. Im Ergebnis dieser Tagung der Bühnentechniker und Ausstatter der DDR wurde die Gründung der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft in der DDR (DTHG/DDR) vorbereitet. Sie übernimmt die Aufgaben eines Fachverbandes der technischen und technisch-künstlerischen Mitarbeiter der Theater und im Veranstaltungswesen. Die Vorbereitung hat eine Arbeitsgruppe übernommen, mit Sitz im Institut für Kulturbauten, Clara-Zetkin-Str. 105, DDR-1086 Berlin. Sachbearbeiter ist Dieter Krause.

Zur Mitgliederversammlung der DTHG (West) im Mai in Berlin berichtete Siegfried Stäblein:

… über die Teilnahme von zwei DDR-Kollegen, Herrn Fiedler und Herrn Richter, in der vorletzten Vorstandssitzung in Frankfurt. Es ist beabsichtigt, eine DTHG in der DDR zu gründen. Sie soll Übergangscharakter haben. Die Gründungsversammlung fand am 11.05.90 in der Linden-Oper in Ostberlin statt. Der Vorsitzende und der Geschäftsführer waren als Vertreter der DTHG zu Beginn der Gründungsversammlung anwesend. Der Vorsitzende wies auf die Bedeutung der Gründung eines Fachverbandes auch in der DDR hin, bot die Hilfe der DTHG dabei an und wies im besonderen auf die Bedeutung der Regionalgruppen für die Funktion des Fachverbandes hin. Da die „DTHG in der DDR“ schon vor der Gründung bei Firmenmitglieder der DTHG um Mitgliedschaft geworben hat, hat der Vorsitzende auch den Kollegen der DDR die Möglichkeit einer Mitgliedschaft angeboten. Eine automatische gegenseitige Anerkennung der Mitgliedschaft ist aus juristischen Gründen nicht möglich. Die Mitgliedschaft der „DTHG in der DDR“ als kooperatives Mitglied mit Sitz im Vorstand in der DTHG ist selbstverständlich möglich. 

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Die DDR-DTHG veröffentlichte das erste und zugleich letzte Heft einer eigenen Verbandszeitschrift mit dem Titel PODIUM. Helmut Großer begrüßte dies und schlug vor, den Titel zu erhalten und für ein eigenständiges Verbands-Mitteilungsblatt zu übernehmen.

Was die Entwicklung der DTHG anging, konnte Stäblein eine Reihe von Erfolgen berichten, so war die Zahl der Mitglieder inzwischen auf 481 angestiegen. Herr Dr. Gerhards, bisheriger Vertreter des Deutschen Bühnenvereins im Vorstand der DTHG, hatte aus persönlichen Gründen diese Position zurückgegeben. 

Ab 1990 folgte Herr Heiner Bruns, Intendant in Bielefeld, für den DBV als Mitglied im Vorstand der DTHG. Auch finanziell war man – auf Grund der Zuschüsse, die man durch die Kooperation mit der ShowTech erhielt – in der Lage, eine Rücklage aufzubauen. Diese sollte zur Errichtung einer Geschäftsstelle genutzt werden. Die Zusammenarbeit mit der AKM als Veranstalter der ShowTech wurde als sehr erfolgreich gerühmt. Die Showtech 1990 fand im Mai in Berlin statt und das Kongressprogramm beinhaltete eine Führung durch den Friedrichstadtpalast. Insgesamt 4694 Fachleute (1988: 2775) – davon 695 Kongressteilnehmer aus 28 Ländern – informierten sich auf der Fachmesse, die von 138 Ausstellern und 25 zusätzlich vertretenen Firmen (1988: 98 Aussteller / 16 zusätzlich vertretene Firmen) auf einer Ausstellungsfläche von 3800 qm netto präsentiert wurde. 

Beschlossen wurde, die 46. BTT 1991 in Frankfurt/Main durchzuführen, dort musste auch die turnusmäßige Neuwahl des Vorstandes stattfinden, wofür ein Wahlvorstand gewählt wurde.

Darüber hinaus wurden eine Reihe von Satzungsänderungen beschlossen:

1990 veranstaltete auch eine Regionalgruppe-West zum ersten Mal ein eigenes Treffen, es fand am 29. August in Wuppertal statt:

Die Berichte über die Arbeit anderer Regionalgruppen veranlassten uns, nun auch in Nordrhein-Westfalen aktiv zu werden. Die Herren Austinat (Essen) und Bahrmann (Hagen) bemühten sich um die notwendige Vorarbeit und konnten dabei ein Angebot der Firma Hamann nutzen, die einen Tagungsraum zur Verfügung stellte und auch für eine Bewirtung sorgte. Dafür gilt ihr der besondere Dank der Teilnehmer. 

In der BRD nahm nun endlich die erste Vorlage einer neuen Musterversammlungsstättenverordnung Gestalt an, die unter Beteiligung der DTHG zustande gekommen war. 

Anlässlich der Sitzung des Exekutiv-Komitees der OISTAT am 10. und 11.2.90 in München wählten die vollständig anwesenden Mitglieder des Komitees Helmut Großer für weitere vier Jahre zum Präsidenten der OISTAT. Zu Vizepräsidenten wurden gewählt Serge Creuz, Szenograph (Belgien) und Jerzy Bojar, Technischer Direktor (Polen). Die nächste Prager Quadriennale war für die Zeit 10.-30.06.91 in beiden Flügeln des Kongresspalastes im Kultur- und Erholungspark Prag vorgesehen. Die nationalen Ausstellungen werden im rechten Flügel installiert. Für die Bundesrepublik sind dafür 80 m2 reserviert. 

Personalien

Am 5.3.90 feierte Walter von Hoesslin in Wien seinen 80. Geburtstag. Es ist nicht die einzige runde Zahl, die diesen Geburtstag denkwürdig macht: 60 Jahre Max Reinhardt-Seminar, 40 Jahre Wiener Volksoper und 20 Jahre Bregenzer Festspiele sind die anderen Fixpunkte seines immer dem Theater gewidmeten und vor allem immer noch aktiven Berufslebens. 

Am 15.2.90 feierte der nunmehr emeritierte Leiter der Meisterklasse für Bühnenbild und Kostüm an der Hochschule „Mozarteum“ in Salzburg, Heinz Bruno Gallée seinen 70. Geburtstag. 

Im Alter von 66 Jahren verstarb der Bühnenbildner Hannes Meyer, der seit der Spielzeit 68/69 in Basel wirkte.

Im Alter von 70 Jahren starb die Autorin Erika Thiel, deren bekanntestes Werk die 1960 erschienene „Geschichte des Kostüms“ ist. 

Am 5.2.1990 verstarb in Bayreuth, im Alter von fast 93 Jahren, der frühere Beleuchtungschef und Technische Direktor der Bayreuther Festspielhäuser Paul Eberhardt.

Am 15.7.1990 verstarb im Alter von 75 Jahren nach schwerer Krankheit einer der Altmeister der Theatertechnik, der Technische Direktor i. R. Hans Stahn. Über 37 Jahre, und zwar von 1936-1974, gehörte er der Hamburgischen Staatsoper an. Er war einer von denen, die nach dem Krieg diese Oper wieder mit aufgebaut haben. 

Am 11.11.90 feierte der Scenograph und vormalige langjährige Ausstattungsleiter des Berliner Theaters der Freundschaft, Otto Kahler, seinen 80. Geburtstag. Er war bis 1990 der Präsident der DDR-Sektion der OISTAT. 

BTR

Heft 01

  • Außenseiterin Johanna zwischen Traum und Tat
  • Die „Johanna“ in München 
  • Baugeschichte und Rekonstruktion des Jugendstiltheaters Cottbus 
  • Die Novellierung der Versammlungsstättenverordnung in der Bundesrepublik 
  • Die neuen beleuchtungstechnischen Einrichtungen für das Studio 1 im Fernsehgelände Freimann des Bayerischen Rundfunks 
  • Brandsicherheitsdienst 
  • Pariser Opern- und Konzerthäuser (I. Teil) 

Heft 02

  • Das Schauspielhaus am Platz der Akademie, Berlin 
  • Walter von Hoesslin 80 Jahre alt 
  • Sicherheit auf Bühnen 
  • Der Kampf um das „Rose“ 
  • Asbest im Theater 
  • Projektions-Messverfahren 
  • Ausbildung in theaterspezifischen Berufen 
  • Tonleute gesucht 
  • Pariser Opern- und Konzerthäuser (2. Teil) 
  • Ein neues Teleskopsystem für Leuchtenhänger, Stative u.a. 
  • Lichtregieanlage für das ICC 

Heft 03

  • CAD-Anwendungen am Theater und in der Fernseh-Produktion 
  • Vorteile durch Online-Datenbanken 
  • Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin 
  • Von den Schwierigkeiten, eine neue Tonanlage zu bekommen 
  • Erscheinungen – Der Geistertrick 
  • Seminar: Betrieb von Veranstaltungsstätten
  • Pariser Opern- und Konzerthäuser (3. Teil) 
  • Feuererscheinung auf offener Bühne 
  • Hinweise zur strömungstechnischen Gestaltung von Bodenluftauslässen 
  • Geometrisches Verfahren zur Beurteilung von Sichtverhältnissen 
  • Feuergefährliche Handlungen auf Bühnen und Szenenflächen 

Heft 04

  • Obermaschinerie der Staatsoper München 
  • Verschwenden die Staatsbühnen Steuergelder? 
  • Theatertechnik ohne Grenzen (DDR-Theatertechniker-Tagung) 
  • Das Dresdner Hoftheater in Altenburg – eine Replik Sempers 
  • Das Schloßtheater Ludwigsburg 
  • Entwicklungsstufen der Beleuchtungstechnik bis zur Glühlampe 
  • Zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Szenografen 
  • Gedanken eines Meisters 
  • Pariser Opern- und Konzerthäuser (4. Teil) 
  • Es werde Licht im Regeldickicht 
  • Instandhalter, Beruf mit Zukunft 

Heft 05

  • „Der fliegende Holländer“ 1990 in Bayreuth 
  • Technische Einrichtung von „Der fliegende Holländer“ 
  • Stand der Musterverordnung für Versammlungsstätten 
  • „Katja Kabanova“ in der Opera de la Bastille 
  • Bedarfsanalyse für Ausstattungs- und Veranstaltungsberufe 
  • Die Verantwortung der bühnentechnischen Berufe 
  • Technik – Kunst – Organisation, die notwendige Symbiose 
  • Quo vadis, Theatertechnik? 
  • 30 Jahre Maskenbildner- Ausbildung in Dresden 
  • Das neue PODIUM – Willkommen und adieu 
  • Der Theaterumbau Potsdam 
  • Pariser Opern- und Konzerthäuser (V) 
  • Hinweise zur Gestaltung von Bodenluftauslassen (II) 

Heft 06

  • „Das Phantom der Oper“ 
  • Die Technik für „Das Phantom der Oper“ 
  • Vincent van Gogh und die Moderne 
  • Ausbildung von Theatermalern und Theaterplastikern 
  • Das Kostümforschungsinstitut v. Parish 
  • Wartung und Instandhaltung EDV-unterstützt
  • Das Wilhelma-Theater in Bad Cannstadt 
  • Lichtquellen-Darstellung in einem CAD-Programm
  • Pariser Oper- und Konzerthäuser (Schluß)
  • Beleuchtungstechnik auf der ShowTech 

PODIUM 01

  • Einmalig in Umfang und Vielfalt: Die Lipperheidische Kostümbibliothek
  • „Mozart klingt wie Seide“ – Gespräch mit der Kostümbildnerin Jutta Harnisch
  • ShowTech 1990
  • Theatertechnik ohne Grenzen 
  • Triennale in Vilnjus
  • Sowjetische Szenografieausstellung in Berlin
  • Das ICC Berlin
  • Ein neues Theater für Potsdam
  • ––––––––––––––––––––––––––––––––

1 Heft 03/1990 BTR


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