1991

Der Fachverband

Mit Beginn des Jahres 1991 erscheinen die Verbandsmitteilungen in der BTR in einem eigenen Layout und nennen sich PODIUM. Dieser Titel war für eine Ausgabe der Verbandsmitteilungen der DDR-DTHG verwendet worden und blieb somit erhalten. Die DDR-DTHG wurde offiziell am 31.12.1990 aufgelöst. Allen Mitgliedern wurde eine Mitgliedschaft in der (West-)DTHG angeboten.

Im Protokoll heißt es dazu kurz und knapp:

Eine außerordentliche Vollversammlung in diesem Zusammenhang ist nicht mehr vorgesehen. Eine rechtliche Auflösung dieses Vereins ist ohne große Formalitäten, vermutlich unter dem Oberbegriff „zu schnell gegründete Vereine“ möglich. Herr Fiedler wird diese Frage klären und darüber informieren. 

Auch die DDR-Sektion der OISTAT war aufgelöst worden. In einem Brief an den OISTAT-Präsidenten Helmut Großer setzte sich Verbandsvorsitzender Siegfried Stäblein für eine weitere Einbeziehung der Kollegen in die zukünftige Arbeit ein:

Es sollte bei der nächsten Jahreshauptversammlung mit Neuwahl des Vorstandes der DTHG auch die Besetzung der DTHG-Vertreter für die OISTAT überprüft werden und gegebenenfalls auch die bisherigen Vertreter der ehemaligen OISTAT Sektion der DDR, soweit sie Mitglied der DTHG sind, berücksichtigt werden. 

Helmut Großer konnte 1991 auf ein 20-jähriges Jubiläum als Schriftleiter der BTR zurückblicken, er hatte das Amt 1971 von Walter Unruh übernommen.

Gleichzeitig wurde die 46. BTT in Frankfurt angekündigt, welche die erste gesamtdeutsche Bühnentechnische Tagung werden sollte.

Über deren Verlauf war Helmut Großer nicht ganz zufrieden, er schrieb:

Die gesamte Organisation hat nahtlos funktioniert und alle, die dafür gesorgt haben, können dieses Mal nur gelobt werden, sie konnten das ja auch nicht ahnen, mit der Wahl am Ende …
Warum komme ich nur immer wieder auf das Thema? Vielleicht schäme ich mich ein bißchen für uns alte Bundesländer, wie wir unsere parlamentarische Demokratie vorgeführt haben. In der Volkskammer wurde der Vorstand ja immer über 40 Jahre festgelegt, da passierte so etwas nicht, wie mit unserer Wahl am Ende …
Am Ende war es aber auch das nicht, was mich störte, lieber zu viel diskutiert, als zu wenig! Was mich ein bißchen (aber nur ein bißchen) ärgerte war, daß nach einer so gelungenen Tagung bei so wunderbaren Gastgebern, so tüchtigen Organisatoren, und noch dazu so schönem Wetter als Schlusseindruck – dann diese Wahl am Ende …
Über deren Ergebnis muß ja nicht debattiert werden, das war ja alles in Ordnung, aber bis es dazu kam.
Die große Freude, die mir mit der Verleihung des Linnebachringes gemacht wurde, konnte allerdings nicht mal die Wahl am Ende … 

Was war geschehen? Zur Mitgliederversammlung am 1. Juni 1991 waren 188 Teilnehmer erschienen, der Verband hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 596 Mitglieder. Der Vorstand berichtete zunächst über die Aktivitäten der Vergangenheit insbesondere hinsichtlich der Förderung verschiedener Aus- und Weiterbildungen, die internationalen Kooperationen, die Arbeit an der neuen Versammlungsstättenverordnung u.a.

Der Umfang der Verbandsarbeit hatte inzwischen ein Maß erreicht, dass Anlass zu wiederholter Sorge gab. 

Siegfried Stäblein:

Eine Sorge will ich Ihnen zum Schluß meines Berichtes nicht vorenthalten. Die stark gestiegene Mitgliederzahl und die ebenfalls bedeutende Zunahme der Aktivitäten im Sinne der Verbandsziele und Aufgaben führte zwangsläufig zu einer zunehmenden Belastung von Geschäftsführer, Kassenwart, Beauftragten und Vorsitzenden. Diese ist inzwischen so groß, daß aus Zeitgründen eine zuverlässige Abwicklung der Verbandsgeschäfte nicht mehr gesichert ist.
Verzögerungen, Nichtteilnahme an wichtigen Besprechungen, lückenhafte Mitgliederbetreuung und viele andere negative Auswirkungen sind die Folge. Darauf wurde schon in der letzten JHV in Berlin hingewiesen. Als einzige Lösung sehe ich die Einrichtung einer hauptamtlichen Geschäftsstelle, besetzt an mindestens drei Tagen in der Woche. 

Als besondere Ehrung für die jahrzehntelangen Verdienste wurde der Linnebach-Ring an Helmut Großer übergeben.

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung folgten die Vorstandswahlen. Die Prozedur war im Ergebnis vorangegangener Diskussionen kompliziert geworden. Es gab sechs bzw. sieben Wahlgänge, Stimmübertragungen und mehr. Dies entfachte eine lebhafte Diskussion, warum für jeden Kandidaten ein separater Wahldurchgang notwendig sei und wie die verabschiedete Wahlordnung interpretiert werden sollte. Die gesamte Wahl, deren einzelne Ergebnisse in Heft 4/1991 der BTR protokolliert sind, sollte dann auch fünf Stunden von 13:00 bis 18:00 Uhr dauern.

Das Ergebnis:

  • Siegfried Stäblein, 1. Vorsitzender
  • Breeker, Wollmann, Gerling, Martin, Höhn – Mitglieder des Vorstandes
  • Daberto, Beirat für Architektur
  • Gerriets, Beirat für Ausstattungsmaterial
  • Fritz, Beirat Elektrotechnik
  • Wollert, Beirat Maschinenbau
  • Lins, Beirat Tontechnik
  • Kalisch, Beirat Bühnenbild
  • Zimmermann, Beirat Bühnentechnik, Werkstatt
  • Diers, Beirat Medientechnik
  • Großer, Falk, Kück, Langbein – Ehrenrat
  • Henrich, Perrottet, Hammer und Wollert – Kassenprüfer

Die Bühnentechnische Tagung wurde allgemein als Erfolg angesehen. Mit 950 Besuchern (gegenüber 600 im Jahr 1989) verzeichnete man einen neuen Rekord.

Inzwischen konnte man auch die Gründung von sechs Regionalgruppen vermelden: Nord, Mitte, Süd, West, Ost und Berlin.

1991 gab es Regionalveranstaltungen in Mainz, Darmstadt, Essen.

Der Einsatz von Computertechnik in den Theater beschäftigte den Verband schon seit einigen Jahren. In einer Umfrage unter 94 Theatern gaben 69% eine allgemeine Nutzung an. Allerdings lag der Anteil der Nutzung im Bereich Maschinerie erst bei 19%.

Die Mitwirkung der Mitgliedsfirmen der DTHG beschäftigte den Verband. Ihre Betreuung ließe zu wünschen übrig. Dies gilt sowohl für notwendige Werbeaktionen im Zusammenhang mit der DTHG als auch für die Gewinnung der Firmen als Förderer des Fachverbandes. 

Es wurde erstmal erwogen, einen Firmenbeirat zu gründen.

Durch einen aktiven Firmenbeirat solle versucht werden, weitere Firmen für diese Förderungsgedanken zu gewinnen. Darauf muß bei der Neubesetzung des Firmenbeirats in Verbindung mit der Neuwahl geachtet werden. 

In Sachen Aus- und Weiterbildung war man damit beschäftigt, die in der DDR geltenden Berufsabschlüsse auch in der BRD anzuerkennen. Wie nicht anders zu erwarten, gab es dazu verschiedene Auffassungen. Während Wolfgang Kurz vom GUV Württemberg dies bejahte sah Ministerialrat Wichmann die Notwendigkeit einer Nachprüfung vor allem in Belangen der MVStaettVo.

In Sachen Theatermeister-Qualifizierung wurde 1991 ein Gutachten an das BiBB in Auftrag gegeben, um Qualifikationsanforderungen festlegen zu können.

Erfreulicherweise konnten aber die ersten 20 Absolventen des Studienganges Theater- und Veranstaltungstechnik nach bestandenen Prüfungen in der Theaterbranche ihre Arbeit als Diplom-Ingenieure aufnehmen.

Interessant ist eine Meldung am Ende des Jahres, die keinen weiteren Kommentar benötigt:

Herr Stäblein informierte über die Einladung an ihn und Herrn Großer zu einem Expertengespräch über die Gründung einer Akademie für Theaterberufe. Das Gespräch soll im DGB-Bundesvorstand in Düsseldorf stattfinden. Es steht im Zusammenhang mit dem Projekt „Bildungsbedarf für Theaterberufe“ von der Initiativgruppe Minetti. (P. S.: die Veranstaltung wurde wegen zu wenig Teilnehmer abgesagt.) 

Auch beim Thema ShowTech zogen düstere Wolken auf:

Herr Stäblein berichtete von den bisherigen Gesprächen mit der AMK, Herrn Dreyer. Danach wird der Kongress ans Kostengründen in der bisherigen Form nicht mehr stattfinden können. Es wird deshalb überlegt, ob der Kongress nicht durch eine Fachtagung, die von der DTHG bzw. vom VDSM organisiert wird, abgelöst werden kann, wobei ein erstes Angebot einer Kostenübernahme der Honorare für die Referenten durch die AMK besteht. Es wurde der Ablauf der ShowTech bzw. der Jahreshauptversammlung und der Fachtagung diskutiert. Danach sollte die Fachtagung an 2 Halbtagen, 1 Vormittag und 1 Nachmittag stattfinden.

Das Stadttheater Winterthur hatte 1991 für seine neue, stromsparende Beleuchtung den zweiten Preis des „Prix Eta“ erhalten. Der Stromsparpreis der Elektrizitätswirtschaft wurde zum zweiten Mal verliehen und sollte Energiesparmaßnahmen von Industrie, Privaten und Gemeinden belohnen. Das Stadttheater war das erste Kulturinstitut, das diesen Preis erhielt: 10400 kWh pro Jahr sollte die von Beleuchtungsmeister Willfried Potthoff entwickelte Anlage einsparen.

1991 fand in Prag die 6. Quadriennale statt, sie wurde durch Helmut Großer mit den Worten eröffnet:

Herr Minister, sehr verehrte Damen und Herren, liebe Freunde,
zum dritten Mal habe ich die Ehre, die Prager Quadriennale miteröffnen zu dürfen. Die sechste ist es, an der ich teilnehme und die erste in einem freien Land. Diese PQ ist mit Recht zu einer Institution geworden, als die einzige internationale Ausstellung der Scenographie sowie des Theaterbaus. Diese internationale Verbundenheit tut not in einer Zeit nationalistischer und ethnischer Abspaltungsbestrebungen in vielen unserer Länder. Anstatt sich der wiedergewonnenen Freiheit, der niedergerissenen Mauern zu freuen, werden neue Mauern aufgebaut, Mauern kleinbürgerlicher Engstirnigkeit und Intoleranz. 

Einen Preis gewann Deutschland nicht, diese gingen an Tschechien, Großbritannien sowie Spanien-Katalonien.

Personalien

Im Alter von 87 Jahren verstarb am 11.9.91 in Augsburg Hans Baader, Städtischer Oberbaurat a.D..

Am 19.8.91 verstarb plötzlich und unerwartet im Alter von 70 Jahren Willi Ulmer, früherer Technischer Direktor des Sydney Opera House, dessen Bau er von Anfang an im Auftrage von Prof. Unruh betreute. 

BTR

Heft 01

  • Theater Neue Flora 
  • Sicherheit im Theater 
  • photokina ’90 
  • Zum derzeitigen Stand der Beschallungstechnik – Mögliche Entwicklungen 
  • Die Entwicklung brandschutztechnischer Regeln 
  • Energiesparendes Stadttheater 
  • Aufgaben, Verantwortung und Kompetenz von staatl. geprüften Fachkräften 
  • USITT- Konferenz‘ 90 
  • Welche Arbeitsabläufe sollen und können nicht automatisiert werden? 
  • Wie unkonventionell darf die Werbung für ein Konferenzzentrum sein? 
  • Bildwände auf der photokina ’90 
  • Wie sichert man Türen in Rettungswegen gegen Mißbrauch 

Heft 02

  • Das Grillo-Theater in Essen 
  • „Freudiana“ in Wien 
  • Kosten-Nutzen-Analyse als Entscheidungshilfe 
  • Silber und Silikon werden ein Paar 
  • Dimmertechnik – glänzende Zukunft? 
  • Amedeo Modigliani 

Heft 03

  • Theater für Pforzheim 
  • Durchblick 
  • 10 Jahre SOTT 
  • Ein neues Theater in Most 
  • ELA-Informationen 
  • Fachhochschule Rosenheim 
  • Konzert- und Kongreßzentrum des Nordens 
  • Hörfunk-Mischpult ohne Regler 
  • Traditionsreiche Bühnentechnik aus Sachsen 

Heft 04

  • Produktionsstätte „hr“ – Ein Blick hinter die Fernsehkulissen 
  • Rekonstruktion des Theaters „Josef Kajetän Tyl“ in Plzen 
  • SOTT-Ausbildung von Theatertechnikern in den Niederlanden, 2. T. 
  • Nachwuchs hinter den Kulissen in Leipzig 
  • Sammlung von historischen Geräten und Anlagen der Beleuchtungs- und Bühnentechnik in Leipzig 
  • Situation und Auswirkung des derzeitigen Ausbildungsstandes im Theater und bei Fernsehen und Film 
  • Sicherheitstechnische Forderungen und die Physik 
  • Fakten zum deutschen Tagungsmarkt
  • Der Wiederaufbau der Oper Carlo Felice in Genua 

Heft 05

  • „Der Fliegende Holländer“ in Bregenz 
  • Rekonstruktion des Theaters in Ceske Budejovice 
  • Wie wirtschaftlich sind Fremdleistungen? 
  • Neuentwicklungen der Beleuchtungstechnik 
  • Die Regelung von FI-Leuchten
  • Mozart und das zeitgenössische Theater 
  • „Der Fliegende Holländer“ in Regensburg 
  • Umbau einer Kirche zum Theater 
  • Eine neue Farbe 
  • Neue mobile Bühne für Open-Air-Einsätze 

Heft 06

  • Das Ständetheater in Prag 
  • Das erneut erneuerte Neue Residenztheater in München 
  • Der Theatermeister – Tätigkeiten und Eingliederungen in den Theaterbetrieb, Teil 1 
  • Servo-hydraulische Systeme und elektrische Steuerungen für das Theater Presov 
  • Rembrandt, der Meister und seine Werkstatt 
  • SOTT – Ausbildung von Theatertechnikern in den Niederlanden, letzter Teil 

Das Sonderheft enthielt eine Auswahl von Artikeln des Jahrganges 1991


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